"Absolute Sicherheit nicht zu gewährleisten"

Weinheimer Nachrichten vom 30. April 2020

Bildung: Weinheimer Schulleitungen blicken mit Sorge auf den Schulbeginn am kommenden Montag

Weinheim. „Wir sehen der Wiederaufnahme des Schulbetriebs zum jetzigen frühen Zeitpunkt des Infektionsgeschehens in Baden-Württemberg mit Sorge entgegen. Selbstverständlich nehmen wir die Aufträge im Rahmen der politischen Entscheidungen an und werden alles daransetzen, die geforderten Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen verantwortlich umzusetzen. Dennoch wird es uns auch unter größten Anstrengungen nicht möglich sein, ein Infektionsrisiko gänzlich auszuschließen. Eine absolute Sicherheit ist in den Schulen nicht zu gewährleisten.“

So beginnt die gemeinsame Erklärung aller Weinheimer Schulleitungen, der sich die Stadt als Schulträger ausdrücklich anschließt. Die Stellungnahme ist ein Ergebnis einer mehr als dreistündigen Sitzung der Schulleitungen, in der es um eine Fülle von Themen rund um den Schulstart am kommenden Montag ging – von Abstandsregelungen und Hygieneplänen über Laufwege und Schülerbeförderung bis zur Schulsozialarbeit und der Notbetreuung.
Ein Ziel dieses Treffens war es, vor allem in Sachen Hygiene alle Maßnahmen zu treffen, die das Infektionsrisiko für Schüler und Lehrkräfte vermeiden sollen. Dazu gibt es zahlreiche Vorgaben des Kultusministeriums. „Diese umzusetzen, wird jedoch nicht immer gelingen können“, darin sind sich die Schulleitungen einig.

n ihrer gemeinsamen Erklärung heißt es dazu weiter: „Auch die Kultusministerin hat bereits darauf hingewiesen, dass Kinder, die zur Risikogruppe gehören oder mit Angehörigen, die zur Risikogruppe gehören, in einem Haushalt leben, die Schule nicht besuchen müssen. Die Erziehungsberechtigten entscheiden hier selbst über die Teilnahme ihrer Kinder am Unterricht.“
Die Schulleitungen verbinden diese Aussage mit einem Versprechen: „Schüler, die wegen der Infektionsgefahr die Schule nicht besuchen, können weiterhin zu Hause mit Lernpaketen versorgt werden.“

Aber die Schulleitungen setzen auch auf die Unterstützung der Schüler und Eltern: „Wir alle, Schulen und Familien, befinden uns in einer besonderen und überaus herausfordernden Situation, in der wir kreative Lösungen finden und neue Wege beschreiten müssen. Den Familien danken wir für ihre beständige und engagierte Unterstützung und die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Familien die von den Schulleitungen herausgegebenen Informationen und Handlungsvorgaben zu Hause gemeinsam mit den Kindern lesen und besprechen, um das erforderliche Maß an eigenverantwortlichem Handeln für sich und andere Menschen im Sinne einer gesellschaftlichen Gesunderhaltung innerhalb und außerhalb des Schulbetriebes bestmöglich zu gewährleisten.“

Die Stadt Weinheim ergänzt diese Aussagen in einer Pressemitteilung wie folgt: Noch schwieriger dürfte der Spagat zwischen Infektionsschutz und Unterricht werden, wenn die jüngeren Schüler und insbesondere die Grundschulen wieder starten sollen.
Bereits bei einer geringen Schülerzahl wäre es kaum möglich, den Abstand von 1,50 Meter dauerhaft zu gewährleisten. Gleichzeitig sei Schulleitungen und Lehrkräften bewusst, dass in den Familien sehr unterschiedliche Voraussetzungen und Möglichkeiten der Unterstützung gegeben sind.

„Die Ungleichheit in den Elternhäusern tritt in dieser Zeit mit voller Macht zutage“, zitiert die Stadt eine Schulleiterin. Die Sorge bleibt, dass Kinder in dieser besonderen Situation „verloren“ gehen könnten. Ganz abgesehen davon, dass den Kindern die sozialen Kontakte fehlen und viele lieber heute als morgen wieder in die Schule zurückkehren wollten.
Angeregt wurde bei der Sitzung der Schulleitungen auch, die Schüler endlich einmal selbst zu befragen. Denn diese hätten den Eindruck, man entscheide über ihre Köpfe hinweg, ohne sich dafür zu interessieren, wie sie selbst die Situation empfinden.

Intensiv diskutiert wurde auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes an den Schulen. Eine Pflicht gibt es laut Kultusministerium nicht. Auch die Schulleitungen haben hierzu unterschiedliche Haltungen, die unter anderem durch die verschiedenen Altersgruppen in den Schulen begründet sind. Das Sensibilisieren für das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes stehe jedoch bei allen Schulen auf dem Stundenplan, ebenso das Reinigen und der richtige Umgang mit den Masken.

Die Stadt Weinheim als Schulträger gibt ihren Schulen hierzu folgende Empfehlung: „Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wird allen Personen im Schulhaus, auch den Schülerinnen und Schülern, außerhalb des Unterrichts in den Klassenzimmern, dringend empfohlen. Während des Unterrichts sollte dieser dann getragen werden, wenn der Mindestabstand von 1,50 Meter aus bestimmten Gründen nicht eingehalten werden kann.“

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