Das Neue als Herausforderung sehen

Weinheimer Nachrichten vom 25. Mai 2020

An der Dietrich-Bonhoeffer-Schule werden 34 neue Tablets an Schüler ausgeliehen, um zumindest etwas Bildungsgerechtigkeit zu schaffen

Weinheim. Seit einigen Jahren entwickelt die Dietrich-Bonhoeffer-Schule ihr Profil als „Digitale Schule“. Dazu wurde ein pädagogisches Gesamtkonzept erstellt, das in einem großen Maße dank der finanziellen Zuschüsse, flankiert von pädagogischen Fortbildungen, durch die Hopp-Stiftung in die Tat umgesetzt werden konnte. Das teilt die Schule mit. Für die intensive Auseinandersetzung mit der Digitalisierung wurde das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium auch mit dem Zertifikat „Digitale Schule“ ausgezeichnet.

Mit Ausbruch der Corona-Pandemie wird dieses Zertifikat nun dem Praxistest unterzogen. Aber auch wenn bereits seit dem Tag der Schulschließung ein kostenloses (und datenschutzkonformes) Chatprogramm genutzt und durch regelmäßige Videokonferenzen ergänzt wurde, gelang der kontinuierliche Kontakt mit der Schülerschaft leider nicht mit allen Kindern und Jugendlichen; denn Homeschooling ist manchmal gar nicht möglich, wenn Kinder keine entsprechenden Endgeräte wie Tablets oder Computer haben.

Die Pläne der Bundesregierung, zusätzliche Millionen für mobile Endgeräte für bedürftige Kinder aufzuwenden, um ihnen das Homeschooling zu erleichtern, werden deshalb auch an der DBS begrüßt, denn so könne Bildungsungerechtigkeit etwas ausgeglichen werden. Allerdings wollte die DBS diesen Familien sofort helfen und ihnen zügig und unbürokratisch ein Leihgerät zur Verfügung stellen. So sollte jeder Schülerin und jedem Schüler das Lernen am digitalen Endgerät garantiert werden. Das, so die Einstellung der Schule, stelle keinen Luxus dar, sondern müsse derzeit selbstverständlich sein. Zuallererst versorgte das Gymnasium alle Schüler der Abschlussklassen sowie alle Lehrkräfte mit den in der Schule vorhandenen iPads.

Um jedoch der großen Nachfrage der Schülerschaft gerecht zu werden, reichten die bereits vorhanden iPads nicht. Hier half erneut eine großzügige Geldspende in Höhe von 13500 Euro (34 Tablets) durch die Hopp Foundation und die Unterstützung durch FIDIBUS, dem Förderverein der Schule, der zusätzlich die Anschaffung von Apple Pencils ermöglichte.

Verbunden mit dem tatkräftigen Einsatz einiger Lehrkräfte, die Geräte für die Nutzung vorzubereiten, wird es jetzt den Realschülern und Gymnasiasten der DBS ermöglicht, über iPads von ihren Lehrkräften direkte Unterstützung zuhause zu erhalten und auch den Kontakt mit Klassenkameraden zu pflegen. Die im DBS-Verbund ebenfalls untergebrachte Werkrealschule ist bei der Pressemitteilung der Schule ausgespart. Was die letzten Wochen nach Meinung der DBS besonders gezeigt haben, sei das, was die Schule der Zukunft benötige: eine stabile Infrastruktur für jeden, gute didaktische Konzepte und den Mut, das Neue als Herausforderung anzunehmen, ohne die Bildungsgerechtigkeit aus dem Blick zu verlieren.

Politische Hürden

Das Homeschooling bleibt also weiter ein Teil des „Schulalltags“ und es ist als Schule nicht immer einfach zu bewältigen. Zum Beispiel gibt es Schüler, die zuhause über keinen Internetzugang verfügen; in diesem Fall hilft auch kein ausgeliehenes Tablet.

Darüber hinaus grätscht auch immer wieder die Politik dazwischen. Jüngstes Beispiel ist die Diskussion um die App „Zoom“, mit der zahlreiche Videokonferenzen durchgeführt werden. Dabei gab und gibt es Bedenken mit Blick auf die Datenschutzrichtlinien, die allerdings mit dem letzten Update geklärt sein sollen. In Baden-Württemberg hat sich der Datenschutzbeauftragte trotzdem gegen dieses Programm ausgesprochen und die Schulen aufgefordert, Zoom nicht mehr anzuwenden. Das Problem ist nur, dass eine gute und vor allem praktikable Alternative nicht geliefert wird. Die Schulen sind somit auf der Suche nach Alternativen auf sich alleine gestellt.

In anderen Bundesländern, zum Beispiel im benachbarten Hessen, ist Zoom für die Corona-Zeit seitens des Kultusministeriums explizit erlaubt.
-/sf

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