Mit Pfeil und Bogen zum Erfolg

Rhein-Neckar-Zeitung vom 23. Juli 2020

DBS-Schüler Lukas Gruber holte Platz eins beim Schülermedienpreis Baden-Württemberg

Von Günther Grosch

Weinheim. So viel vorneweg: Menschen mit Spinnenphobie sollten ihre Finger lieber von "Lost" ("Verloren") lassen. Zu realistisch kommen die zwei Handvoll Kieferklauenträger daher, die Lukas Gruber aus der Klasse 10.1.4 am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBS) als Virtual-Reality-Spiel programmiert hat und die ohne Weiteres auch dem Hollywood-Klassiker "Tarantula" entsprungen sein könnten. Mitte dieser Woche erhielt der 16-Jährige dafür den zum zehnten Mal verliehen Schülermedienpreis Baden-Württemberg, der von der "Initiative Kindermedienland" vergeben wird. Schirmherr der Initiative ist Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Weil die normalerweise im Neuen Schloss in Stuttgart stattfindende Ehrung der Preisträger coronabedingt abgesagt wurde, gratulierte Kretschmann dem Sieger per Videobotschaft. "Technik kann Brücken bauen und die Menschen verbinden", so der Landesvater wörtlich. Um die Medien sinnvoll zu gebrauchen und zu einem kreativen "Medienmacher" zu werden, sei Wissen die Voraussetzung. Der zugleich motivierende wie wissensvermittelnde Ansatz des Wettbewerbs bestehe darin, Medien nicht nur zu konsumieren – sondern selbst zu gestalten. Durch diesen Perspektivwechsel gelinge der Schritt vom Konsumenten zum Produzenten, von der Passivität ins aktive Handeln.

90 Wettbewerbsbeiträge aus den Bereichen Video, Trick- und Realfilm, Comic, Foto, Audio, Print, Internet, Handy, Spiele, E-Books, Foto-Storys, Podcasts, Hörspiele, Multimedia-Anwendungen und selbst programmierte Apps waren in diesem Jahr in der Stuttgarter Geschäftsstelle von "Kindermedienland" eingegangen. Ulrike Karg, Projektleiterin Medienkompetenz, lüftete "im kleinen Kreis" des DBS-Musiktheaters das bis zuletzt gut gehütete Geheimnis um die Platzierung von Lukas Gruber.

Umso größer war die Begeisterung unter seinen Schulkameraden und bei DBS-Schulleiterin Andrea Volz, als Karg dem Zehntklässler Urkunde, Trophäe und das mit dem ersten Rang verbundene Preisgeld in Höhe von 1000 Euro überreichte. Insgesamt erhielten in diesem Jahr neun Schüler einen Preis. Schon mit acht Jahren habe er – vorgeprägt durch seinen als IT-Anwendungsbetreuer arbeitenden Vater – erste Erfahrungen mit dem Programmieren gemacht, verriet Lukas hinterher der RNZ. Bald allerdings genügte ihm die "leichte" Programmiersprache "Scratch" nicht mehr. Zum Erstellen von "Lost" verwendete er "Unity" und komponierte damit auch noch atmosphärisch passende Musik.

Gut ein Dreivierteljahr dauerte die Entwicklung des Spiels. Die Idee: Es geht darum, auf einer gruseligen Lichtung mithilfe von Pfeil und Bogen Monsterspinnen unschädlich zu machen, ehe diese den "Gamer" erwischen. Das ist herausfordernd, da die Kreaturen von allen Seiten aus auftauchen. "In Wirklichkeit bin ich aber eher ein Spinnenfreund", sagt Lukas. Auf Spielkarten fand er die Vorbilder für seine "Spiderlinge".

Geografielehrer Fabian Bergwitz hatte ihn auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht und darin bestärkt, sich zu beteiligen. Als begeistertem Gitarristen fiel es Lukas nicht allzu schwer, die passende Begleitmusik zu komponieren.

Lukas Eltern und seine 14-jährige Schwester Anna wurden zu "ziemlich kritischen" Testern und halfen mit Tipps und Verbesserungsvorschlägen. Am Ende gilt es – ehe die Sonne über den Baumwipfeln aufgeht –, zehn Spinnen zu erlegen. Gelingt dies nicht, wartet ein Grabstein auf den unglücklichen Spinnenjäger.

Und was war für ihn die größte Schwierigkeit? "Ich musste mich erst einmal erkundigen, wie sich die achtbeinigen Spinnen vorwärts bewegen, krabbeln und laufen", sagt Lukas. Noch gibt es das Spiel nur als Demo-Version. Doch das kann sich ändern, wie die begeisterte Reaktion seiner Schulkameraden auf die Vorführung von Ausschnitten des "Making of" auf der Leinwand im Musiktheater bewies.

"Lost" ist Lukas damit auf keinen Fall.

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